2012/06/12

Québec City

`Wie albern und verblödet uns der Gedanke eine Königin zu haben auch vorkommen mag, als Amerikaner müssen wir freundliche und rücksichtsvolle Gastgeber sein´ - dieses bekannte Filmzitat aus `The Naked Gun´, mit dem leider schon verstorbenen Kanadier Leslie Nielsen in der Hauptrolle, trifft sinngemäß den Geschmack der Québecerinnen und Québecer. Dass die Engländer die Franzosen 1762 im Siebenjährigen Krieg im Kampf um Nordamerika besiegt haben, merkt man hier nicht. Québec war und ist das gepflegte Zentrum der Frankokanadier, die Anglokanadier sind in Ottawa abwärts und seitwärts zu Hause. Ob Québec über den Kontinent hinaus AMERICA ist, kann man wohl stundenlang diskutieren, dabei Bordeaux trinken und ins Baguette beißen. Gesprochen und beschildert wird auf jeden Fall nur mehr französisch. Die jetzt diamantene Queen Elisabeth II. lächelt zwar vom 20 Dollar-Schein, war aber schon lange nicht mehr da in der schönen Stadt am Fleuve Saint Laurent, dem Sankt Lorenz Strom - dafür aber William & Kate. Wer jetzt an die Fernseh-Eltern von Alf denkt - liegt falsch. Apropos Familie: Meine Queen heißt Tante Trude, eine weite Verwandte - die Cousine meines Großvaters. Sie lebt seit über 40 Jahren in Québec City. Kurzer Steckbrief: 90 Jahre alt, Ärztin im Ruhestand, Apple-Userin, isst gerne Fisch, spricht französisch, deutsch, englisch und italienisch. Sie kennt die Meta-Ebene also nicht nur vom Hören/Sagen. Diese Frau ist im Kopf fitter als so manch 30-jährige und auf den Beinen, mit kleinen Pausen, knapp über 60. Mit mir spricht sie Alt-Wienerisch mit teils französischer Aussprache. Grüß dich und so.. Wo hast du dein Appartement? .. Besser sie redet, ich höre zu und lerne. Viele Geschichten über die Historie Québecs, über Kirche und Nazis sowie Anekdoten und Erinnerungen an ihren vor 12 Jahren verstorbenen Mann Herbert, der ein lustiger Zeitgenosse gewesen sein muss. Bei meinen Bemerkungen muss ich alles geben. Es soll ja gscheit sein oder zumindest passen. Wenns passt, wird die kurze Meldung mit einem Lächeln quittiert. Das heißt aber schon was und ich freu mich. Wenn nicht, redet sie einfach weiter. 4 Tage ist das so gegangen und es war ein Erlebnis. Beim Abschied hat sie mir ein Bussl rechts auf die Wange gegeben, eines reicht, kurzes Lächeln und weg war sie - oder ich. Le adieux á la reine!



4 Kommentare:

  1. Is ja super- liebe Grüße, nutze Babyschlafpause zum Lesen:)Lies

    AntwortenLöschen
  2. Hey Lies, freut mich dass du das mitverfolgst.. Liebe Grüße auch an die kleine L.! :)

    AntwortenLöschen
  3. hat ungeahnte schreiberische qualität, dein blog - immer wieder lesenswert! greetings, flip

    AntwortenLöschen