2012/07/04

New Orleans

New Orleans ist berühmt für Voodoo, dessen einzigartige Wohnhaus-Architektur aus der Kolonialzeit, für die kreolische Küche, gilt als Wiege des Jazz und war zuletzt 2005 ganz groß in den Schlagzeilen. Damals als Hurricane Katrina New Orleans beinahe dem Erdboden gleich gemacht hätte. 350.000 Menschen leben derzeit in der Hauptstadt von Louisiana, die seit Juni keine tägliche Tageszeitung mehr hat. Vor der Naturkatastrophe waren es doppelt so viele Einwohner. Die, die es sich leisten konnten zu flüchten sind nicht mehr zurück gekommen. Die Anderen sind geblieben und der Rest ist nicht mehr. Die Beerdigungen finden hier übrigens wegen des sumpfigen Bodens nicht unter-, sondern oberirdisch statt. Die Kriminalitätsrate ist trotz halbierter Bevölkerung gleich geblieben. Deswegen auch die vielen Jazz Funerals, die singend und tanzend gefeiert werden. Ideale Voraussetzungen also um mit meinen Spezis Michael, Werner und David (in sitzender Fotoordnung von links nach rechts) bei Ice-Tea und Abita-Bier die Geheimnisse dieser Stadt zu ergründen. Bei einer Swamp-Tour durch das Alligatorgebiet, wo unser Guide die Viecher fast ins Boot springen hat lassen, einer kostenlosen Burlesque-Show und einer Treehouse-Party mit den Hippies und Musikern dieser Stadt, haben wir den Stehaufmanderl-Geist live mitbekommen. Es geht immer weiter. Außerdem passt New Orleans irgendwo in die französische Kolonial-Tradition meiner Reise. 1718 von den Franzosen gegründet, hat Napoleon 1803 alles westlich vom Mississippi an die USA verkauft und so ist es geblieben. Zwischenzeitlich waren auch die Spanier da, die im Frieden von San Ildefonso das Gebiet wieder an Frankreich zurück gegeben haben. Wem jetzt das Wasser im Mund zusammen läuft, richtig -  diese eine Nougat-Spezialität heißt auch `Ildefonso´ und ist seit 2000 wieder im österreichischen Manner-Besitz. Aber das ist eine andere Geschichte. Nur die süße Reisezeit hat jetzt ein Ende. New Orleans ist meine letzte Station. 520 Jahre nach Columbus und der Entdeckung von AMERICA ziehe ich meinen (neu gekauften) Hut und sage `Chapeau´, `Good Bye´ oder ganz einfach `I like it´! Teilweise habe ich mir auch gedacht das Schönste an der amerikanischen Flagge sind die rot-weiß-roten Streifen, aber irgendwie stimmt das grad nicht. Muss wohl am Voodoo liegen..







2012/06/27

Don´t mess with Texas

Nach einem knapp 3-stündigen Flug von Toronto nach Tampa in Florida bin ich jetzt im Süden der USA gelandet. Wunderbar getimed haben mich Ph.D. Christoph und MA Medea mit ihrem Plymouth Neon by Chrysler, kurz mit ihrem Auto, abgeholt. Beide haben soeben ihr Studium in Ohio erfolgreich abgeschlossen und werden im August heiraten. Zeit also für einen Road-Trip nach Texas! Nach einem kurzen Zwischenstopp in Pensacola/Florida zum Planschen im Golf von Mexiko hab ich dann gemerkt, dass sich nicht nur die Zeitzone (Cenral Time Zone, -7 Stunden) und das Wetter (knapp 40 Grad Celsius) geändert haben, sondern auch die Tierwelt. Von Elchen, Bären, Fledermäusen und schwarzen Eichhörnchen in Kanada zu Gürteltieren, Alligatoren, Schlangen und Haien im Süden Nordamerikas. Ich wollte mir schon zur Sicherheit einen Colt kaufen, das ist aber hier nicht so einfach, da muss man schon ein paar Tage warten.. Mit zwei gescheiten Leuten in einem Fahrzeug und Freiheit in Zeit und Raum haben wir viel über den amerikanischen Spirit, die Politik, übers Heiraten und auch über den Waffengebrauch der Amerikaner gesprochen. Angeblich hat ja jeder Texaner eine Waffe unter dem Autositz liegen. So schlimm ist es in der Realität glaub ich nicht, unnötig anlegen sollte man sich mit den Cowboys aber sowieso nicht, da die eher nach dem Motto `First shoot, then ask´ leben. Mit der Route Houston - Austin - Dallas sind wir ganz gut gefahren, insgesamt um die 1400 Meilen, das sind ca. 2300 Kilometer. Der Sprit wird in Gallonen abgerechnet - 4 Liter. Wobei 1 Liter umgerechnet 50 Euro-Cents kostet und das obwohl `Gas´ auch da teurer geworden ist.. `Everything is bigger in Texas´ steht hier oft geschrieben, ganz klar auch die Autos. Manche Hersteller bieten nämlich die `Texas Edition´ bei SUVs und Pick Ups an, die dann noch um ein Eck breiter und höher sind. Der Verbrauch dieser Riesenschüsseln ist für europäische Verhältnisse jenseits von Gut und Böse. Die Pleite und anschließende Rettung von General Motors und der Autoindustrie in Detroit ist immer noch ein Thema, auch im beginnenden Wahlkampf um die Präsidentschaft der USA im November. Es fliegen schon die Fetzen und so mancher Schmutzkübel wird bereits angerührt. Barack Obama gegen Mitt Romney wird wohl ein knappes Rennen werden, nicht zuletzt wird hier mit großer Spannung die Entscheidung des Supreme Courts zur Gesundheitsreform `Obamacare´ erwartet. Neben 24-Stunden Shops gibt es hier auch 24-Stunden Fernsehnachrichtensender, die genug Zeit haben, diesem und weiteren Themen Platz zu geben. Da wird dann jede Kleinigkeit etwas hysterisch aufgeblasen. Nicht zuletzt wird es bei der Wahl wieder um eine uramerikanische Eigenschaft gehen - Mobilisierung.




2012/06/18

Toronto

Gefühlt sind es größtenteils ÖsterreicherInnen aus der Steiermark die nach AMERICA auswandern und auch erfolgreich sind. Wie re-elected `Terminator´ Arnold Schwarzenegger und Magnat Frank Stronach, früher noch Franz Strohsack, oder auch Starkoch Wolfgang Puck der bei der Oscar-Verleihung jedes Jahr in Hollywood auftischt - obwohl genau genommen stammt der aus dem benachbarten Kärnten. In diese Tradition fallen auch die Cousinen meiner Mutter, Monika und Sonja. Die beiden haben vor über 40 Jahren einen kurzen beruflichen Aufenthalt in Toronto geplant und sind noch immer da. Ein leichter steirischer Akzent ist geblieben, nicht so ausgeprägt wie etwa bei Frank Stronach, der in Österreich mehr als unglücklich Fußball-hoppender Mäzen aufgefallen ist - in Kanada aber als erfolgreicher Manager gilt, sozial aktiv ist und beispielsweise am Wiederaufbau von New Orleans nach Hurricane Katrina finanziell mitgeholfen hat. Sonja & Claus, das sympathisch verliebte Paar in weiß am Foto siehe unten, haben mich eine Woche lang in ihrem schönen Haus in der Nähe des Lake Ontario, der aufgrund seiner Größe und der hohen Wellen Meeresähnlichkeit hat, beherbergt. Hervorheben muss ich die Küche, also das Essen - Handmade Food. Kiss the cook! Frische Früchte und Joghurt am Morgen, fabelhaft zarte und magere Steak-Filets wie auch variantenreicher Salat zum Lunch haben dazu beigetragen dass mir nach der Fast Food - Welle mit Burger und Muffins meine Hosen wieder passen. Herzhaft genossen hab ich auch die Barbecue-Time bei Monika´s Sohn Peter, dessen entzückender Frau Celeste und deren Söhnen Peter jr. und Baby Matthew (nicht am Bild, schläft gerade). Nachdem ich vor der Reise meine Haare hab schneiden lassen und sie nicht unbedingt mehr werden, habe ich dieses Mal auf einen Schnitt im mittlerweile verkauften Friseur-Salon von Sonja & Claus verzichtet, mich nach 2 Jahren aber wieder anschauen lassen. Der freundliche Small Talk der als Ice-Breaker wunderbar funktioniert, ist vielleicht oberflächlich - beiden Gesprächspartnern ist das meistens vollkommen klar, erleichtert aber den Beginn eines jeden Gesprächs unheimlich. Das Klischee, dass Austria mit Australia verwechselt wird, kann ich bestätigen. Mit Austria verbindet man gemeinhin `Sound of Music´ und Mozart kennt man noch immer. Dass Christoph Waltz und Red Bull aus Österreich kommen muss ich bei großem Staunen erklären, sind aber ein Begriff. Viel geredet wie wichtige Lebensweisheiten gelernt habe ich an gemeinsamen Abenden bei einem Glas Wein und der Musik von Leonard Cohen, ebenfalls Kanadier. `The past is history, the future is mystery and the present is a present´ zum Beispiel oder `When you snooze you lose´ - wie wahr. Tief gehend auch die Gespräche mit Monika, die mittlerweile ein Limo-Service betreibt und mir auch die abschließende Fahrt zum Flughafen mit ihrem Geschäftspartner Samson gesponsert hat. Zum ersten Mal bin ich traurig dass ich weiterziehe, aber I´ll be back!